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Lehrstuhl und Institut für Wohnbau und Grundlagen
des Entwerfens - Univ.-Prof. ir. Wim van den Bergh

Schinkelstrasse 1, 52062 Aachen
T: +49 241 8095009,
mail@wohnbau.arch.rwth-aachen.de

Impressum

http://wohnbau.arch.rwth-aachen.de/files/gimgs/th-79_Bild Universal Studios.jpg

M2 - Universal Studios

Termine

Betreuung: Dienstags ab 14h00

14.10.2014, Ausgabe Entwurfs und Einführung 10h00
28.10.2014, Referate
03.11. - 06.11.2014, Feldforschung Hamburg-Berlin
11.11.2014, Referate
18.11.2014, Kolloquium (tbc)
23.11. - 26.11.2014, Feldforschung München
02.12.2014, Referate
09.12.2014, Betreuung
16.12.2014, Kolloquium (tbc)
12.01./13.01.2015, Feldforschung Köln
20.01.2015, Referate
27.01.2015, Betreuung
03.02.2015, Feldforschung Köln
10.02.2015, Betreuung
17.02.2015, Betreuung
24.02.2015, Abgabe (tbc)

Anerkennung: 30 CP + 6 CP

Deutschland Studios
Film- und Medienproduktionsstandorte in Deutschland: Hamburg, Berlin, Köln, München.
Feldforschung und Thesis (WS 14/15: M2.1./15CP)

Dirty Reality
Mediale Dokumentation der städtischen Peripherie. (WS 14/15: EM2/3CP)
Universal Studios

Wohnen für den postindustriellen Arbeiter der Film- und Medienproduktion, Köln-Ossendorf.
Entwurf (SS 15: M2.2./15CP)

Emblematic Image
Mediale Produktion zum Entwurf. (SS 15: EM3/3CP)

Teilnehmer: 12 Studierende

Lehrende

Lehrstuhl für Wohnbau und Grundlagen des Entwerfens - Prof. ir. Wim van den Bergh
Dipl.-Ing. Tim Klauser

Aufgabe

Wohnen für den neuen Arbeiter der Film- und Medienproduktion, Köln-Ossendorf.
In der aktuellen Auseinandersetzung mit Zuwanderung, steigenden Einwohnerzahlen und Mieten, sowie
zunehmender Wohnungsnot in Großstädten, lohnt sich zunächst der Rückblick in die Geschichte der
Arbeitersiedlungen, welche gegen Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Ziel errichtet
wurden, innerhalb kürzester Zeit ausreichenden, kostengünstigen und qualitätsvollen Wohnraum für die
vom Land zugewanderten Arbeiter und ihre Familien bereitzustellen. Initiiert und umgesetzt von
gemeinnützigen Organisationen wie Baugenossenschaften, Bauvereinen, oder auch von einzelnen
Industriellen ohne Renditeinteresse, orientierten sich die verantwortungsvollen Planungen am Idealbild
des Fabrikarbeiters in fester Anstellung bei einer Firma, der mitsamt Familie dauerhaft im nahen Umfeld
des Arbeitsplatzes, in einer im Kontrast zur harten Industriearchitektur stehenden, durchgrünten
Gartenstadtarchitektur, sesshaft wird.
Mit vollzogenem Wandel dieser Arbeitsrealität in den Städten, dem Übergang von schwerer Industriearbeit hin zu immaterieller Arbeit im Dienstleistungssektor, sowie der vollständigen Abwanderung industrieller Produktion gegen Ende des 20./ Anfang des 21. Jahrhunderts, wurden nun die zentralen Industrieareale zu städtebaulichen Spekulationsflächen. Möglichst gewinnbringend und
zugleich stadtimageprägend sind diese einem durchkommerzialisierten Nutzungsmix aus Büroflächen und Luxuswohnungen zugeführt worden, ohne jedoch sozial nachhaltige Lösungen für die veränderte Wohn und Arbeitssituation, auch von niedrigeren Einkommensklassen aufzuzeigen.
Die bekannten Aushängeschilder dieser postindustriellen Stadtverwandlung der Jahrtausenwende, ob
Medienhafen, Rheinauhafen, Hafencity oder nun Mediaspree, begnügen sich damit, mithilfe
einprägsamer Architekturgesten den Standort marketingstrategisch zur Geltung zu bringen, sowie die
Nähe zur Kreativwirtschaft zu suggerieren, um Investoren und solvente Bewohner anzulocken.
Tatsächlich aber entwickeln sich die Orte postindustrieller Kreativwirtschaft, Film- und
Medienproduktion fernab der glänzenden Signatur-Architekturen und der hohen Mietpreise, in der
„schmutzigen Realität“ der städtischen Peripherie zwischen Tankstelle und Ikea unbemerkt zu Studiound
Produktions-Städten gigantischen Ausmaßes. Ob in Köln-Ossendorf, Hamburg-Tonndorf, München-
Geiselgasteig oder Berlin-Babelsberg – in der Peripherie der deutschen Großstädte werden in den größten Studioanlagen Europas still und leise, zum Teil mithilfe nationaler Förderprogramme, aufwendige internationale Filmproduktionen unter Anderem auch aus Hollywood durchgeführt.
Für die Schar der an Film- und Medienproduktion beteiligten internationalen Arbeiter, welche für die
Dauer der Produktion nahe am Set wohnen müssen, stehen jedoch unzureichende Wohnmöglichkeiten zur Verfügung, sodass die Produktionsfirmen auf temporäre Anmietungen von Wohnungen, Set-Wohnwagen sowie auf im Zentrum gelegene Hotels oder Apartmenthäuser angewiesen sind.
Wie lässt sich nun das Modell der gemeinnützigen Arbeitersiedlung auf die Herausforderungen einer
veränderten, postindustriellen und globalisierten Arbeitsrealität von Teilzeitjobs, projektbezogenen
Arbeitsverträgen, sowie temporären Arbeitsaufenthalten übertragen und weiterentwickeln?
Inwieweit kann der Entwurf einer direkt an die Studio- und Produktions-Städte angebundenen
Wohnstruktur Modellcharakter für die Weiterentwicklung des Wohnungsangebotes der peripheren
Stadtgebiete haben?
Als „Travelling Studio“ widmet sich das Wintersemester zunächst mit der feldforscherischen
Aufarbeitung der wichtigsten Film- und Medienproduktionsstandorte und führt uns in drei
Kurzexkursionen nach Hamburg-Berlin, München und Köln. Auf dem Programm stehen neben der
genauen Untersuchung der Studiostandorte jeweils auch Besichtigungen aktueller und wegweisender
Wohnbauprojekte, sowie Streifzüge durch die unterschiedlichen Stadt-, Peripherie-, Medien-, Hochschulund Klublandschaften.
Das Dokument der Feldforschung enthält neben den gesammelten sowie aufbereiteten Erkenntnissen,
auch schon die eigenständige Thesis zum Wohnen am Standort der Film- und Medienproduktion.
Außerdem wird das Wintersemester begleitet von einer Filmreihe zu den Themen Wohnbau und Film.
Im „Design Studio“ des Sommersemesters steht entsprechend der prototypische Entwurf : „Universal
Studios. Wohnen für den postindustriellen Arbeiter der Film- und Medienproduktion.“ im Vordergrund.
Dessen mediale Bildproduktion, oder die Suche nach den „Emblematic Images“ des Entwurfes, wird als
ergänzendes Modul anerkannt.